Allgemeine Informationen
Ein Magnetar ist ein besonderer Neutronenstern. Er ist der extrem dichte Überrest eines
massereichen Sterns. Was ihn außergewöhnlich macht, ist sein Magnetfeld: Es kann etwa
1011 bis 1012 Tesla erreichen und ist damit ungefähr
tausendmal stärker als das Magnetfeld gewöhnlicher Neutronensterne.
Nicht jeder Neutronenstern wird zu einem Magnetar. Nach heutigen Schätzungen gehört nur ein
kleiner Teil dazu. Schätzungen gehen von etwa jedem zehnten Neutronenstern aus.
Entdeckt wurden Magnetare nicht durch ein ruhiges Leuchten am Himmel, sondern durch gewaltige
Ausbrüche. Im Jahr 1979 registrierten mehrere Satelliten extrem starke Gammastrahlenausbrüche
außerhalb unseres Sonnensystems. Diese Objekte wurden später als Soft Gamma Repeater bezeichnet. Solche Quellen senden wiederholt Ausbrüche energiereicher Strahlung aus.
Entstehung
Vom Sternkern zum Neutronenstern
Neutronensterne entstehen, wenn der Kern eines massereichen Sterns am Ende seines Lebens
kollabiert. Nach einer Supernova bleibt ein Objekt zurück, das kaum größer ist als eine Stadt:
typischerweise nur etwa 10 bis 15 Kilometer im Radius, aber mit einer Masse, die in der
Größenordnung der Sonne liegt.
Schon ein gewöhnlicher Neutronenstern besitzt ein gewaltiges Magnetfeld. Beim Kollaps wird
das ursprüngliche Magnetfeld des Vorläufersterns stark zusammengedrückt. Vereinfacht gesagt:
Die Materie fällt auf einen winzigen Raum zusammen, und das Magnetfeld wird mitgenommen.
Dadurch kann die magnetische Flussdichte enorm anwachsen.
Direkt nach seiner Entstehung rotiert ein Neutronenstern extrem schnell. Das liegt an der
Drehimpulserhaltung. Nach demselben Prinzip rotiert eine Eiskunstläuferin schneller,
wenn sie die Arme anzieht. Aus einem riesigen Sternkern wird ein winziger kompakter Körper,
und die Rotation beschleunigt sich dramatisch. Anfangs können Rotationsperioden im
Millisekundenbereich auftreten.
Wann ein Magnetar entsteht
Ob aus einem Neutronenstern ein Magnetar wird, hängt nach einem verbreiteten Modell von
mehreren Bedingungen ab. Entscheidend ist unter anderem, wie schnell der junge Neutronenstern
rotiert und wie stark das Magnetfeld des Vorläufersterns bereits war. Rotiert der frisch
entstandene Neutronenstern schnell genug, können im Inneren starke Konvektionsbewegungen und
Dynamo-Prozesse einsetzen. Dabei wird ein Teil der Bewegungsenergie in Magnetfeldenergie
umgewandelt.
So kann innerhalb kurzer Zeit ein Magnetfeld entstehen, das etwa
1011 Tesla erreicht. Das ist ungefähr tausendmal stärker als bei einem
gewöhnlichen Neutronenstern. In diesem Fall spricht man von einem Magnetar.
Ist die Rotation langsamer oder war das ursprüngliche Magnetfeld des Vorläufersterns schwächer,
entsteht eher ein gewöhnlicher Neutronenstern oder Pulsar. Auch diese Objekte sind extrem, aber
die Magnetfelder von Magnetaren sind jedoch deutlich stärker.
Folgen des extremen Feldes
Die Magnetfelder von Magnetaren sind so stark, dass sie nicht mehr nur als „großes Magnetfeld“
beschrieben werden können. Ihre Energiedichte ist gewaltig. In der Sprache der Physik lässt sich
dieser Energie über E = mc2 sogar eine äquivalente Massendichte
zuordnen. Bei solchen Feldstärken werden Effekte relevant, die im Alltag völlig unsichtbar bleiben:
Selbst das Quantenvakuum kann beeinflusst werden. Materiefreier Raum verhält sich dann nicht mehr
ganz wie ein einfaches „Nichts“, sondern kann unter bestimmten Bedingungen doppelbrechend wirken.
Wenn die Magnetfeldachse nicht genau mit der Rotationsachse übereinstimmt, kann der Neutronenstern
Strahlung wie ein kosmischer Leuchtturm aussenden. Bei Pulsaren sehen wir diese Strahlung als
regelmäßige Pulse. Die Energie dafür stammt aus der Rotation des Sterns. Magnetare verlieren ihre
Rotationsenergie besonders schnell und werden deshalb stark abgebremst. Nach relativ kurzer
kosmischer Zeit können ihre Rotationsperioden bereits mehrere Sekunden betragen.
Weitere Entstehungswege
Es gibt außerdem weitere mögliche Entstehungswege. Ein Magnetar könnte auch bei der Verschmelzung
zweier Neutronensterne entstehen. In einem solchen Ereignis wird Materie extrem schnell durchmischt,
und starke differentielle Rotation kann ebenfalls ein gewaltiges Magnetfeld aufbauen. Auch hier gilt:
Magnetare sind keine ruhige Variante eines Neutronensterns, sondern das Ergebnis von Extrembedingungen.
Eigenschaften
Rotation und Strahlung
Magnetare fallen nicht nur durch ihr extremes Magnetfeld auf. Sie verraten sich auch durch
ihr Verhalten: Sie rotieren vergleichsweise langsam, verlieren schnell Rotationsenergie und
senden ungewöhnlich starke Röntgen- und Gammastrahlung aus.
Bei isolierten Neutronensternen ohne Begleitstern in einem Doppelsternsystem sprechen mehrere Beobachtungsmerkmale für einen Magnetar. Typisch sind Rotationsperioden von
etwa 1 bis 12 Sekunden. Außerdem bremst ihre Rotation besonders stark ab; die Abbremsrate kann
größer als 10−12 Sekunden pro Sekunde sein. Das klingt klein, ist für einen Neutronenstern aber
ein deutliches Signal: Hier wirkt ein extrem starkes Magnetfeld.
Auch ihre Strahlung ist auffällig. Magnetare können dauerhaft im Röntgenbereich leuchten,
oft mit Leistungen von etwa 1025 bis 1029 Watt. Dazu kommen kurze, heftige Ausbrüche
im Röntgen- und Gammastrahlenbereich. Diese dauern meist nur Bruchteile einer Sekunde bis wenige
Sekunden, können aber Leistungen von etwa 1027 bis 1040 Watt erreichen.
Röntgenstrahlung in ruhigen Phasen
Selbst in ruhigen Phasen sind Magnetare nicht wirklich „ruhig“. Auch außerhalb großer Ausbrüche
senden sie Röntgenstrahlung aus. Ein Teil davon stammt wahrscheinlich von der heißen Oberfläche
des Neutronensterns und liegt im Energiebereich unterhalb von etwa 1 Kiloelektronenvolt. Zusätzlich
kann es eine härtere, energiereichere Komponente im Bereich von etwa 10 bis 100 Kiloelektronenvolt
geben. Diese wurde jedoch nicht bei allen Magnetaren eindeutig nachgewiesen.
Diese harte Röntgenkomponente ist oft gepulst. Das bedeutet: Während der Neutronenstern rotiert,
verändert sich die beobachtete Strahlung regelmäßig. Das ähnelt einem Leuchtturm, dessen
Lichtkegel immer wieder in unsere Richtung zeigt.
Mögliche Entstehungsorte
Für diese energiereiche Röntgenstrahlung gibt es mehrere Erklärungsansätze. Eine Möglichkeit ist,
dass relativistische Teilchen entlang der Magnetfeldlinien beschleunigt werden und nahe der
magnetischen Pole auf den Neutronenstern treffen. Dabei könnte Bremsstrahlung entstehen.
Eine andere Erklärung setzt in der Magnetosphäre an: Dort könnten Elektron-Positron-Paare mit
Photonen wechselwirken und ihnen Energie übertragen. In diesem Modell würde ein großer Teil der
harten Röntgenstrahlung nicht direkt an der Oberfläche entstehen, sondern einige Sternradien
oberhalb der magnetischen Pole.
Strahlungsausbrüche
Kurze Ausbrüche, lange Folgen
Magnetare gehören zu den unruhigsten Objekten, die man kennt. In unserer Milchstraße gibt es
mehrere Röntgenquellen, die als Magnetar-Kandidaten gelten. Sie können scheinbar plötzlich kurze
Ausbrüche im Röntgen- und Gammastrahlenbereich zeigen. Sie dauern oft nur wenige Zehntelsekunden.
Diese kurze Dauer täuscht. In einem einzigen solchen Ausbruch kann ein Magnetar so viel
hochenergetische Strahlung freisetzen, wie die Sonne über Tausende von Jahren hinweg abstrahlt.
Die Aktivität endet danach nicht sofort. Auf den ersten Strahlungspuls folgt häufig eine
mehrminötige Phase, in der die Helligkeit langsam abnimmt. In diesem Nachleuchten zeigen sich oft
regelmäßige Schwankungen, an denen sich die Rotationsperiode des Magnetars ablesen lässt.
Nach großen Ausbrüchen bleibt das Objekt meist weiter aktiv. Stunden, Tage oder sogar Jahre später
können kleinere Ausbrüche folgen. Deshalb nennt man solche Quellen auch Soft Gamma Repeater:
Sie senden wiederholt Ausbrüche energiereicher Strahlung aus.
Sternbeben und Kruste
Auffällig ist, dass die Verteilung dieser Ausbrüche an Erdbeben erinnert. Das ist kein zufälliger
Vergleich. Bei Magnetaren geht man davon aus, dass ihre feste äußere Kruste unter gewaltigen
magnetischen Spannungen steht. Wird diese Spannung zu groß, kann die Kruste brechen oder sich
plötzlich verschieben. Dieser Vorgang wird als Sternbeben bezeichnet.
Diese Kruste besteht nicht aus gewöhnlichem Gestein, sondern aus extrem dichter Materie:
Elektronen und Atomkerne, unter anderem Eisenkerne, sind dort in einem kristallartigen Zustand
angeordnet. Das Magnetfeld des Magnetars übt Kräfte auf diese Kruste aus. Wenn sie nachgibt,
wird Energie frei.
Magnetische Umordnung und Feuerball
Die größten Ausbrüche entstehen vermutlich nicht nur durch lokale Krustenbrüche, sondern durch
großräumige Umordnungen des Magnetfeldes. Qualitativ erinnert das an Sonnenflares: Auch dort wird
magnetische Energie plötzlich freigesetzt. Bei Magnetaren geschieht das jedoch unter viel extremeren
Bedingungen.
Eine mögliche Erklärung ist ein heißer Plasma-Feuerball nahe der Oberfläche. Dieser Feuerball wird
für kurze Zeit vom enorm starken Magnetfeld festgehalten. Dafür sind Feldstärken von über
1010 Tesla nötig. Während dieser kurzen Phase sendet das heiße Plasma intensive Röntgen-
und Gammastrahlung aus.
Besonders ungewöhnlich ist, dass die Strahlung aus diesem Plasma relativ gut entkommen kann. Das
extreme Magnetfeld schränkt die Bewegung freier Elektronen stark ein. Dadurch können sie der
elektromagnetischen Welle nicht so folgen wie unter normalen Bedingungen. Der Feuerball wird für
die Strahlung durchlässiger. Dadurch kann der Ausbruch mit hoher Intensität sichtbar werden.
Soft Gamma Repeater und anomale Röntgenpulsare
Zwei historische Beobachtungsklassen
Magnetare wurden nicht sofort als eigene Objektklasse verstanden. Zuerst fielen sie durch zwei
scheinbar unterschiedliche Erscheinungsformen auf: als Soft Gamma Repeater und als anomale
Röntgenpulsare.
Soft Gamma Repeater verraten sich durch wiederholte Ausbrüche im Gamma- und Röntgenbereich.
Diese Ausbrüche können nur Bruchteile einer Sekunde dauern, manchmal aber auch länger anhalten.
Dabei werden ungefähr
1031 bis 1040 Joule freigesetzt.
Anomale Röntgenpulsare wirken zunächst ruhiger. Sie senden dauerhaft Röntgenstrahlung aus und
rotieren typischerweise mit Perioden von etwa 2 bis 12 Sekunden. Ihre Röntgenleuchtkraft liegt
ungefähr bei 1026 bis 1029 Watt. „Anomal“ nannte man sie, weil ihre Strahlung nicht gut
durch gewöhnliche Rotationsenergie erklärt werden konnte. Es musste also eine andere Energiequelle
beteiligt sein.
Gemeinsame Magnetar-Merkmale
Heute gelten beide Gruppen als eng mit Magnetaren verbunden. Der entscheidende Hinweis ist ihr
Verhalten: langsame Rotation, starke Abbremsung und eine Röntgenhelligkeit, die oft höher ist,
als man bei normalen Pulsaren erwarten würde. Die Abbremsrate kann etwa im Bereich von
10−13 bis 10−10 liegen.
Nachwirkung und Entwicklung
Nach einem Ausbruch fällt die Röntgenhelligkeit nicht immer sofort auf das alte Ruheniveau zurück.
Oft bleibt sie über längere Zeit erhöht, manchmal über Jahre. Das zeigt, dass ein Ausbruch nicht
nur ein kurzer Lichtblitz ist, sondern den Magnetar länger verändert oder aufheizt.
Man nimmt an, dass Magnetare vor allem in ihrer frühen Lebensphase besonders aktiv sind. In den
ersten etwa 10.000 Jahren nach ihrer Entstehung können starke Ausbrüche auftreten. Danach stabilisiert
sich das Magnetfeld zunehmend. Der Neutronenstern bleibt aber noch heiß genug, um für einige tausend
Jahre als anomaler Röntgenpulsar weiter sichtbar zu sein.
Kritik und alternative Modelle
Wo das Standardmodell an Grenzen stößt
Das Magnetar-Modell ist heute die wichtigste Erklärung für Soft Gamma Repeater und anomale
Röntgenpulsare. Es beschreibt diese Objekte als Neutronensterne, deren Energie nicht hauptsächlich
aus Rotation stammt, sondern aus dem Zerfall und der Umordnung extrem starker Magnetfelder.
Trotzdem ist dieses Modell nicht frei von offenen Fragen. Einige Beobachtungen passen nicht ganz
einfach in das klassische Bild.
Beobachtungen ohne einfache Zuordnung
Ein Beispiel ist die Radiostrahlung. Wenn Soft Gamma Repeater und anomale Röntgenpulsare tatsächlich
Magnetare sind, könnte man erwarten, dass sie dauerhaft Radiostrahlung aussenden. Beobachtet werden
aber oft nur zeitweise Radioausbrüche. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Magnetar-Modell falsch
ist. Die Beobachtung zeigt jedoch, dass die Magnetosphäre dieser Objekte komplizierter ist als ein einfaches
Standardmodell.
Auch die Magnetfeldstärke allein erlaubt keine eindeutige Einordnung. Es gibt Objekte mit
vergleichsweise schwächerem Magnetfeld, die magnetarähnliche Ausbrüche zeigen. Umgekehrt kennt man
Pulsare mit sehr starken Magnetfeldern, die keine typischen Magnetar-Ausbrüche zeigen. Ein starkes
Magnetfeld allein reicht also offenbar nicht aus. Entscheidend scheint auch zu sein, wie das Magnetfeld
aufgebaut ist, wie es sich im Inneren des Sterns verhält und wie es mit Kruste und Magnetosphäre
wechselwirkt.
Besonders interessant ist der junge Radiopulsar PSR J1846-0258. Er ist erst etwa 880 Jahre alt und
zeigte starke Röntgenausbrüche, die an das Verhalten anomaler Röntgenpulsare erinnern. Gleichzeitig
kann seine beobachtete Strahlung teilweise durch den Verlust seiner Rotationsenergie erklärt werden.
Solche Grenzfälle verwischen die klare Trennung zwischen gewöhnlichem Pulsar und Magnetar.
Alternative Erklärungsmodelle
Deshalb wurden auch alternative Modelle vorgeschlagen. Manche Hypothesen erklären die Ausbrüche nicht
durch den Zerfall eines ultrastarken Magnetfeldes, sondern durch andere kompakte Objekte oder zusätzliche
Materie in der Umgebung. Dazu gehören Modelle mit Quarksternen und Akkretionsscheiben.
Ein weiterer Ansatz ist das sogenannte Drift-Modell. In solchen Vorstellungen entsteht die gepulste
Strahlung weiter außen in der Magnetosphäre, nahe dem Lichtzylinder. Dort könnte Plasma in
Magnetfeldschlingen eingeschlossen sein und die beobachtete Strahlung erzeugen. In diesem Fall wäre
kein klassischer Magnetar nötig, sondern ein schnell rotierender Neutronenstern mit einem deutlich
schwächeren Magnetfeld.
Auch sehr massereiche Weiße Zwerge mit starken Magnetfeldern wurden als mögliche Alternative diskutiert.
Solche Modelle versuchen, magnetarähnliche Ausbrüche ohne einen extrem magnetisierten Neutronenstern
zu erklären.
Anti-Glitches und offene Dynamik
Eine weitere Besonderheit sind sogenannte Anti-Glitches. Während viele Neutronensterne gelegentlich
kleine Sprünge zu schnellerer Rotation zeigen, wurden bei Magnetaren auch sprunghafte Verlängerungen
der Rotationsperiode beobachtet. Der Stern rotiert danach also plötzlich etwas langsamer. Solche
Ereignisse könnten in der Magnetosphäre entstehen oder durch eine Art magnetisch getriebenen
Teilchenwind verursacht werden.
Was trotz der Kritik trägt
Die Kritik am Magnetar-Modell bedeutet nicht, dass Magnetare eine schlechte Erklärung wären. Im Gegenteil:
Das Modell erklärt viele Beobachtungen sehr gut. Aber die Natur dieser Objekte ist offenbar komplexer
als die einfache Formel „starkes Magnetfeld gleich Magnetar“. Wahrscheinlich entscheidet nicht nur die
Stärke des Feldes, sondern auch seine innere Struktur, seine Entwicklung und seine Kopplung an Kruste
und Magnetosphäre.
Mögliche Magnetare als Quelle
Eines der bekanntesten Ereignisse in der Magnetar-Forschung wurde am 27. Dezember 2004 beobachtet.
An diesem Abend registrierten Satelliten einen gewaltigen Strahlungsausbruch des Soft Gamma Repeaters
SGR 1806−20. Das Objekt liegt in Richtung des galaktischen Zentrums, viele zehntausend Lichtjahre von
der Erde entfernt.
Für einen winzigen Moment wurde dieser Magnetar zu einer der auffälligsten Strahlungsquellen am Himmel.
Die harte Gammastrahlung, die die Erde erreichte, war für etwa eine Zehntelsekunde außergewöhnlich
intensiv. Das Ereignis war deshalb selbst aus enormer Entfernung deutlich messbar.
In nur etwa einer Zehntelsekunde gab SGR 1806−20 eine
Energiemenge ab, die mit der Sonnenleistung über sehr lange Zeiträume verglichen werden kann. Solche
Superflares zeigen, warum Magnetare nicht einfach nur „starke Neutronensterne“ sind. Sie können ihr
Magnetfeld in plötzlichen, extremen Ereignissen entladen.
Ein weiteres interessantes Objekt ist SGR J1550−5418. Mit einer Rotationsperiode von etwa 2,07 Sekunden
gehört es zu den besonders schnell rotierenden bekannten Magnetaren. Solche Objekte sind wichtig, weil
sie zeigen, wie unterschiedlich Magnetare auftreten können. Manche fallen durch gewaltige Ausbrüche auf.
Andere zeigen Besonderheiten bei ihrer Rotation, ihrer Röntgenhelligkeit oder nach einem Ausbruch.
Nicht alle Quellen passen jedoch sauber in das klassische Magnetar-Bild. Objekte wie SGR 0418+5729 oder
SWIFT J1822.3−1606 gelten als besonders interessante Grenzfälle, weil sie magnetarähnliche Aktivität
zeigen, obwohl bestimmte Eigenschaften nicht vollständig zu den einfachen Erwartungen passen. Diese
Fälle zeigen, dass Magnetare keine klar abgegrenzte Objektklasse sind,
sondern ein Forschungsfeld mit Übergängen, Ausnahmen und offenen Fragen.
Überleuchtkräftige Supernovae und Gammablitze langer Dauer
Magnetare werden nicht nur mit Röntgen- und Gammastrahlenausbrüchen in unserer Milchstraße in
Verbindung gebracht. Sie gelten auch als mögliche Energiequelle für viel größere kosmische Ereignisse:
überleuchtkräftige Supernovae und Gammablitze langer Dauer.
Bei solchen Explosionen reicht die normale Energie einer Supernova manchmal nicht aus, um die beobachtete
Helligkeit vollständig zu erklären. Hier kommt das Magnetar-Modell ins Spiel. Die Grundidee: Im Zentrum
der Explosion entsteht ein junger, energiereicher Magnetar. Dabei handelt es sich um einen extrem schnell rotierenden Neutronenstern mit sehr starkem Magnetfeld.
Wenn dieser frisch entstandene Magnetar anfangs mit einer Rotationsperiode von nur etwa einer Millisekunde
rotiert, steckt in seiner Rotation eine enorme Energiemenge. Sein starkes Magnetfeld wirkt dann wie eine
Art kosmische Bremse: Es entzieht dem Stern Rotationsenergie und kann diese Energie in die expandierende
Supernova-Hülle einspeisen.
Dieses sogenannte Millisekundenmagnetar-Modell kann erklären, warum manche Supernovae außergewöhnlich hell
werden. Es passt außerdem zu Lichtkurven, die nahe dem Maximum asymmetrisch verlaufen, und zu der großen
Bandbreite beobachteter Maximalhelligkeiten.
In diesem Modell besitzt der junge Proto-Neutronenstern ein Magnetfeld von mehr als
1011 Tesla. Innerhalb von etwa 100 Sekunden kann eine Energie von ungefähr
1045 Joule aus seiner Rotation ausgekoppelt werden. Das ist genug, um eine Explosion deutlich heller
erscheinen zu lassen, als man es von einer gewöhnlichen Supernova erwarten würde.
Auch bei Gammablitzen langer Dauer könnte ein solcher Motor eine Rolle spielen. Der Magnetar wäre dann
nicht nur ein Überrest der Explosion, sondern für kurze Zeit ihr zentraler Antrieb.
Mögliche Vorläufer von Magnetaren
Magnetare könnten nicht nur aus einzelnen massereichen Sternen entstehen. Eine Möglichkeit ist,
dass sie die späte Folge einer Verschmelzung zweier massereicher Sterne sind. Bei einem solchen
Zusammenstoß wird Materie heftig durchmischt, Rotation kann stark beschleunigt werden, und Magnetfelder
können auf ungewöhnliche Weise verstärkt oder neu geordnet werden.
Ein interessanter Kandidat für einen solchen Vorläufer ist Tau Scorpii. Dieser massereiche Stern besitzt
auffällige magnetische Eigenschaften, die nicht leicht mit einem einfachen Sternentwicklungsmodell zu
erklären sind.
Eine Forschungsgruppe zeigte 2019 mithilfe von Simulationen, dass Tau Scorpii tatsächlich aus der
Verschmelzung zweier Sterne hervorgegangen sein könnte. In diesem Szenario wären seine besonderen
magnetischen Eigenschaften eine Folge dieses früheren Zusammenstoßes.
Falls solche Sterne später als Supernova enden, könnten sie unter bestimmten Bedingungen einen stark
magnetisierten Neutronenstern und möglicherweise einen Magnetar hinterlassen.